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Comic-Review: The Last Days of American Crime (Splitter)

The Last Days of American Crime
Ein letzter großer Coup, bevor eine umstrittene Regierungsmaßnahme Verbrechen de facto unmöglich macht – doch wem von den Komplizen kann man tatsächlich vertrauen?

(C) Splitter Verlag / The Last Days of American Crime / Zum Vergrößern auf das Bild klickenRick Remender dürfte hierzulande hauptsächlich Marvel-Fans ein Begriff sein, war er doch zeichnerisch für "Die Rächer" und "Punisher War Journal" tätig. Aktuell steht seine "Punisher"-Serie in den Regalen, bei der er uns als Texter zuletzt den "Frankencastle"-Arc beschert hat. Mittlerweile schreibt er "X-Force" und "Venom", mit denen uns der Lizenznehmer Panini hoffentlich in den kommenden Monaten versorgen wird. Abseits des Mainstreams war der gute Mann allerdings auch nicht untätig, kommt er doch schließlich aus der Indie-Ecke und hat unter anderem "Fear Agent" bei Image Comics herausgebracht. Sein neuester Streich ist die gemeinsam mit Greg Tocchini erschaffene Graphic Novel "The Last Days of American Crime", die beim relativ jungen US-Verlag Radical Publishing erschienen ist und nun von Splitter auf Deutsch vorliegt.


Darin geht es um ein letztes großes Ding, das der Gauner Graham Bricke drehen will. Sein Job als Wachmann bei einer Bank soll es ermöglichen, die Abschaffung des Papiergelds durch die US-Regierung auszunutzen, um einen Maschine zur unbegrenzten Aufladung von Geldkarten zu stehlen. Der Coup krankt aber hauptsächlich an zwei gröberen Problemen: Einerseits gehörigen Zeitdruck, denn durch eine umstrittene Gesetzesinitiative ist es in zwei Wochen durch ein Neurosignal nicht mehr möglich, Verbrechen zu verüben, und andererseits der Undurchsichtigkeit seiner beiden Partner Kevin und Shelby. Als wäre die Vorbereitung auf das Unterfangen nicht bereits nervenzerreibend genug, funken dann schließlich auch noch wenig freundlich gesinnte Gangster dazwischen und gefährden Brickes Plan, während Kevin die Wartezeit nutzt um mit seinem alten Herrn abzurechnen…


Unterlegt mit Greg Tocchinis außergewöhnlichen, in ihren Farben an völlig abgedrehte LSD-Trips erinnernde Zeichnungen, wirft Rick Remender den Leser mitten hinein in einen Sumpf aus Gewalt, Drogen, Sex und nochmals Gewalt. Das alles ist so explizit und ungeschönt dargestellt, dass man beim Lesen schnell in den schützenden Falten der heimischen Couch versinken möchte und sich fragt, ob die Welt da draußen wirklich so ist oder noch werden könnte. In ihren besten Momenten wirkt die Handlung wie ein Bastard aus Frank Millers düsterem Großstadtmoloch "Sin City" und Quentin Tarantinos überzogenen Gewaltfantasien inklusive abgedrehter Monologe, die auch aus "Pulp Fiction" stammen könnten. Lediglich bei den Backflash-Sequenzen der Protagonisten haben die süßen Klischees zu sehr gelockt, auch das Finale vermag nicht gänzlich zu überzeugen. Denn so enden nur Hollywood-Filme – was allerdings angesichts der bereits verkauften Filmrechte von "The Last Days of American Crime" und dem Anspruch Radicals, von Beginn an filmreife Comics zu entwickeln, wenig überrascht.
 


# # # Andreas Grabenschweiger # # #






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