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Book-Review: Generation A (Tropen)

rezension_generation_a_cover (c) Tropen
Von der Generation X mit "zu vielen Fernsehern und zu wenig Arbeit" zu der Generation A ohne Bienen und Geschichten. Douglas Couplands negative Utopie ist nicht wünschenswert, scheint aber umso wahrscheinlicher…

Im Jahr 1991rezension_generation_a_cover (c) Tropen / Zum Vergrößern auf das Bild klicken erschien "Generation X", ein Roman des jungen Douglas Coupland, der überraschend zum Bestseller avancierte. Ohne konkrete Absicht entwickelte sich "Generation X" zur namensgebenden Veranschaulichung verschiedenster Problematiken der bis dahin namenslosen Nachkriegsgeneration. Begriffe wie "Twentysomethings", "Mid-Twenties Breakdown", "McJob" oder "Option Paralysis" sind seit Erscheinen längst im Bewußtsein der Leser verankert.


19 Jahre später schlägt Coupland einen ähnlichen Ton an. Fünf auf dem gesamten Globus verstreute Menschen werden plötzlich von Bienen gestochen. In der vom Autor gezeichneten Realität sind derartige Ereignisse eigentlich unmöglich, denn alle Bienen sind ausgestorben. Pflanzen können nicht mehr richtig bestäubt werden und ein Großteil der Lebensmittelkette ist zusammengebrochen. Früchte sind verschrumpelte Luxusgüter und Menschen entfliehen ihrer traurigen Wirklichkeit durch die Einnahme von Solon, die eierlegende Wollmilchsau in Tablettenform der Pharmaindustrie. Die Menschheit ist längst Abhängig von Solon, der eigentlichen Ursache des plötzlichen Bienensterbens.


Samantha, Diana, Harj, Zack und Julien, die fünf Opfer der Bienenattacke, werden über Nacht zur großen Hoffnung der Menschheit. Eine spezielle Task Force entreißt die fünf Gestochenen ihrer gewohnten Umgebung und sperrt sie für vier Wochen getrennt in völlig unterhaltungssterile Räumlichkeiten, um sie genau zu beobachten und zu untersuchen. Nach dieser unfreiwilligen Isolation entlässt man sie wieder in ihr altes Leben, das längst ein Scherbenhaufen ist. Die Gestochenen sind mittlerweile globale Stars und werden vielerorts verehrt. Eine passende Antwort für die Misere konnte jedoch nicht gefunden werden. Erst der etwas verschrobene Wissenschafter Serge, der die Gestochen erstmals zusammenbringt, scheint eine Theorie zu haben. Er bringt die fünf auf eine entlegene Insel, wo sie sich selbst erfundene Geschichten erzählen…


Der Autor lässt seine Protagonisten in beschwingter Sprache aus der Ich-Perspektive in episodenhafter Form ihre jeweilige Story erzählen. Abwechselnd erfährt man mehr über den exhibitionistischen Maisfarmer Zack, der es liebt mit seinem High-Tech-Mähdrescher überdimensionale Geschlechtsteile in seine Felder zu zeichnen, oder über Harj, der auf Sri Lanka in einem Call Center einer US-Bekleidungsfirma Pullover verkauft. Diana ist scharf auf den lokalen Prediger und leidet zudem am Tourette-Syndrom, die neuseeländische Samantha versucht ihren eigenen Sinn zu finden und Julien ist ein spätpubertierender Videospielsüchtiger. Die unterschiedlichen Charakterzüge werden zunehmend offenbart und dennoch lesen sich einzelne Passagen sehr ähnlich. Insgesamt ist die erste Hälfte des Buchs spannend und witzig erzählt. Die Spannung lässt in der zweiten Hälfte nach, was aber durch die verwirrenden und skurilen Erzählungen der Protagonisten gut ausgeglichen wird.


In seinem neuen Generationsroman kritisiert Coupland vor allem die Generation der Digital Natives, die dank technologischer Möglichkeiten vielseitig untereinander vernetzt ist, aber gleichzeitig emotionale Distanz hält und es verlernt hat wahrhaftig miteinander zu kommunizieren. Er bemängelt den Verlust des Geschichtenerzählens und erhebt diese Kunst in der zweiten Hälfte des Romans zum Hauptthema. Aber auch der Glaube im Allgemeinen und gesellschaftliche Werte und Konventionen werden vom Autor sarkastisch aufs Korn genommen. "Generation A" besitzt die wichtige Umwelt-Message, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben, verpackt in eine interessante Grundidee, die von Coupland gut aufgebaut wird, aber deren Potential sich auf die Dauer von rund 330 Seiten nicht völlig entfalten kann. Als einziger großer Kritikpunkt ist die teilweise haarsträubende deutsche Übersetzung zu nennen.



# # #  Andreas Himmetzberger  # # #






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