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Comic-Review: The Stand – Das letzte Gefecht 1 (Panini)

Cover The Stand - Das letzte Gefecht 1 (C) Panini
"Captain Trips" geht um – und beschert uns nicht nur Angst vor der nächsten Grippe, sondern auch die atmosphärisch dichte Adaption eines Romanklassikers von Horror-Großmeister Stephen King.

Cover The Stand - Das letzte Gefecht 1 (C) Panini / Zum Vergrößern auf das Bild klickenVor mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten ist mit "The Stand" einer der bekanntesten, beliebtesten und auch – was die Seitenzahl betrifft – längsten Romane unseres liebsten Gänsehaut-Garanten aus Portland, Maine erschienen. 15 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung wurde das Werk 1993 als vierteilige Fernsehserie umgesetzt, für die Stephen King auch das Drehbuch beisteuerte. Und pünktlich zum dreißigsten Jubiläum brachte Marvel Comics im September 2008 die erste von vier geplanten Miniserien heraus, die den Stoff als Graphic Novel aufgreifen – was nach dem überwältigenden Erfolg der Adaption von "Der dunkle Turm", einem weiteren Meilenstein in Kings umfangreichem Oeuvre, praktisch auf der Hand gelegen hatte.


Den Auftakt des Projekts macht der Fünfteiler "Captain Trips", der hierzulande als Sammelband von Panini vorgelegt worden ist. Doch was verbirgt sich für den Leser, dem "The Stand" unbekannt ist, zwischen den Buchdeckeln? Was lauert hinter dem Cover des Paperbacks, auf dem uns scheinbar ein schlecht gelaunter Alan Moore drohend entgegenstapft? Keine Sorge, zumindest den zotteligen Comic-Gott aus England haben Autor Roberto Aguirre-Sacasa, Zeichner Mike Perkins und Koloristin Laura Martin in seiner abgedunkelten Schreibstube gelassen. Mehr als genug Angst und Schrecken verbreitet schließlich ohnehin der tödliche Erreger, der unter dem Codenamen "Projekt Blau" den gewohnt übereifrig nach Massenvernichtungswaffen forschenden US-Militärs entkommen ist und im Volksmund als "Captain Trips" eine Schneise des Todes quer durch die Vereinigten Staaten schlägt.


Die hektischen Quarantänemaßnahmen greifen nicht, die ersten Todesfälle treten ein, schon bald lassen sich die Vorfälle mit bloßer Geheimhaltung nicht mehr vertuschen. Die Leichen beginnen sich zu stapeln, während die mündige Öffentlichkeit nicht nur nach Atem, sondern auch nach Antworten auf die Seuche ringt und mit der Waffe zum Schweigen gebracht wird. Lediglich eine Handvoll von Menschen scheint immun gegen den unerbittlich tödlichen Griff des biologischen Erregers zu sein, unterschiedlicher könnten sie nicht sein: Da der unauffällige texanische Durchschnittsbürger Stu Redman, der als Versuchskaninchen für die ratlosen Militärs herhalten muss, dort die schwangere Frannie Goldsmith, daneben der am Abgrund herumtänzelnde Sänger Larry Underwood und der taubstumme Nick Andros. Sie leben und müssen hilflos zusehen wie die Gesellschaft um sie herum an der Suche krepiert und zerfällt. Und welche Rolle spielt der mysteriöse Randall Flagg, der die endlosen, staubigen Straßen des Landes entlang wandert und dem Teufel zum gelehrigen Schüler gereichen könnte?


Fragen über Fragen stellen sich dem begeisterten Leser während und nach der Lektüre der 164 Seiten dieses ersten Bands von "The Stand". Was will uns dieses Monumentalwerk sagen, und vor allem: Was will es sein? Eine apokalyptische Vorstellung von Armageddon, ein im Zeitalter von 9/11 und Terrorismusangst beängstigend real gewordenes Katastrophenszenario, eine Studie über das mögliche Entstehen einer protofaschistischen Gesellschaft durch die entgleiste Macht von Politik und Militär, eine Fantasy-Erzählung über den auf Erden wandelnden "Dunklen Mann", eine Metapher über den alltäglichen, oft gut versteckten Horror in uns und unserer Gesellschaft? Die Interpretationsmöglichkeiten scheinen unendlich und hinterlassen einen doch sprachlos wie Nick Andros, was in diesem Zusammenhang nicht die einzige Allegorie ist die uns "The Stand" anbietet. Aus der meisterhaften Vorlage von King hat Aguirre-Sacasa eine großartige Graphic Novel geschaffen, die den Leser unerbittlich, zynisch und doch aufwühlend genug in die Handlung und die Motivationen der Figuren hineinzieht. Das Artwork von Mike Perkins und Laura Martin ist dabei kein schmückendes Beiwerk, sondern bildgewordener Ausfluss des düsteren Szenarios auf höchstem Niveau. Fantastisch! Anders lässt sich dieser erste Band nicht beschreiben und schafft genau das, was gute Literatur stets vermag: Den Leser nach der Lektüre nicht nur zum Nachdenken anzuregen, sondern ihn vielmehr nicht in Ruhe zu lassen. Und eventuell zum Zusammenzucken bringen, wenn jemand in unmittelbarer Nähe hustet oder verschnupft zum Taschentuch greift! 



# # # Andreas Grabenschweiger # # #






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