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Wasting Away (Euro Video)

Wasting Away (c) Euro Video
Ihr meint Zombies haben keine Gefühle? Dieser Film wird euch die Augen öffnen, denn Zombies sind auch nur Menschen, vielleicht sogar die Besseren!

Wasting Away (c) Euro Video / Zum Vergrößern auf das Bild klickenUm einen waschechten Zombiefilm zu kreieren braucht man einige essentielle Zutaten: Militärische bzw. wissenschaftliche Experimente (die natürlich schief gehen), eine panische Menschenmenge, nach Hirn lechzende Untote und haufenweise Innereien mit hektoliterweise Blut. In "Wasting Away: Zombies sind auch nur Menschen" ist all das vorhanden, doch das Autorenduo Matthew und Sean Kohen mischen noch eine interessante Geheimzutat dazu: Den Blickwinkel der Zombies!


In schickem Schwarz-weiß gefilmt, finden in einer Militärbasis geheime Experimente statt. Es soll ein Supersoldat gezüchtet werden, unzerstörbar und unaufhaltbar. Dazu wird den Probanden eine giftgrüne Flüssigkeit injiziert. Leider versterben die Soldaten bei den Versuchen und anstelle von Supersoldaten kehren Zombies ins Leben zurück. Das Experiment wird abgebrochen als Fehlschlag, der schnellstmöglich vertuscht werden muss. Fässer gefüllt mit Zombieschleim werden per Truck wegtransportiert. Unterwegs kommt es jedoch zu einem Zwischenfall und eines der Fässer rollt von der Ladefläche, quer durch die nächtliche Stadt, bis es schließlich vor der örtlichen Bowlingbahn ausrollt. Tim (Micheal Terry) jobbt dort und bereitet den Laden gerade auf die abendliche Eröffnung vor. Mit dabei sind sein Freund Mike (Matthew Davis) sowie die beiden Mädchen Cindy (Betsy Beutler) und Vanessa (Julianna Robinson). Mike ist immer auf der Suche nach einer guten Geschäftsidee, das schließt auch wilde Kombinationen von Lebensmitteln nicht aus. Wie es der Zufall so will, gelangt der Zombieschleim in eine Bier-Eiskreation von Mike. Zwar wundert man sich über den grünlichen Schimmer, schiebt es aber kurzerhand auf das Licht. Alle vier probieren von dem Softeis und sind vom Geschmack begeistert. Dann sterben sie theatralisch. Und erwachen noch theatralischer als Zombies!


Noch bemerken die vier nichts von ihrer neuen Lebensqualität. Aus irgendeinem Grund sprechen und bewegen sich alle Menschen viel zu schnell, man wundert sich auch über große Kräfte und einen unbeschreibbaren Appetit, doch ernsthafte Sorge macht sich niemand. Zum Glück müssen sie sich nicht lange über mögliche Antworten den Kopf zerbrechen, denn schon bald darauf treffen sie auf Soldat Nick Steele (Colby French), der eine absolut einleuchtende Erklärung parat hat: Sie sind Supersoldaten und der Rest der Stadt hat sich mit einem Zombievirus infiziert! Natürlich gilt es weitere Überlebende zu finden und die Bedrohung zu vernichten, schließlich sind sie die Elite aller militärischen Streitkräfte.


"Wasting Away" ist eine erfrischend-andersartige Sicht auf den Zombiekult. Viele bekannte Zombiestreifen werden unterwegs auf die Schaufel genommen. Um sowohl den Blickwinkel normaler Menschen, als auch die Perspektive der Zombies plausibel erzählen zu können, wechselt der Film zwischen farbigen und schwarz-weißen Bildern. Die direkten Vergleiche mancher Szenen bringt einiges an Situationskomik mit sich. Wenn zum Beispiel Soldat Steele ein militärisches Lager infiltriert und all sein soldatisches Geschick aufwendet, sieht das seiner Meinung nach extrem behende aus, während er sich als Zombie eher "holprig" fortbewegt.


Nach Jahrzehnten der Filmgeschichte, unzähligen Minuten von langsam dahinschlürfenden, schnell vermodernden bzw. schnell laufenden und langsam dahinwesenden Zombies, stellt endlich jemand all die essentiellen Fragen, die uns schon immer beschäftigt haben: Wie geht es den armen Zombies nachdem sie infiziert wurden, den wahren Opfern böser Machenschaften? Stecken in der verwesenden Hülle überhaupt noch Gedanken oder gar Gefühle? Kränkt es Zombies vielleicht sogar, wenn Menschen kreischend davonlaufen und mit Schrotflinten auf sie schießen? Verspeisen Zombies jedes dahergelaufene Gehirn oder sind sie wählerisch? Und vor allem: Können sich Zombies verlieben?


Doch was beschäftigt Zombies nun wirklich? Dem Film gelingt es auf unterhaltsame Weise einige Geheimnisse zu lüften. In den leeren und milchigen Augen der Untoten flackert nämlich genauso die Sehnsucht einer unausgesprochenen Liebe. Ein Zombie bemüht sich gleichermaßen Eindruck bei den Eltern des geliebten Mädchen zu machen, wie unsereins. Sogar Arbeitslosigkeit ist ein echtes Problem und so manches Zombiemädchen geht über Leichen, um ihren zukünftigen Arbeitgeber zu beeindrucken. Doch was macht man als Zombie, wenn man sein Schicksal erkennen muss und nur in Frieden weiter verrotten möchte? Die Menschheit zeigt sich nämlich wenig tolerant. Nur der mittlerweile körperlose Mike erkennt seine Chance. Als Anführer, dessen Kopf herzergreifende Reden vorträgt, kann er sich endlich verwirklichen und der verzweifelten Zombiemeute ein Ziel geben: Eine eigene Gesellschaft muss gegründet werden.


Kann man "Wasting Away" empfehlen? Die Idee ist genial, ist aber nicht immer optimal umgesetzt. Die Effekte sind billig, die Dialoge flach, die meisten Charaktere Stereotypen und die Bildqualität ist nicht immer gut. Trotzdem hat der Film viele witzige Momente und ist durchaus sehenswert. "Wasting Away" nimmt sich selbst nicht ernst, so verzeiht man solche Schnitzer gerne mit einem lachenden Auge. Allein wegen der außergewöhnlichsten Kussszene der Filmgeschichte rate ich jedem Zombie-Fan einen Blick zu riskieren. Aber unbedingt im Originalton ansehen!


# # # Andreas Himmetzberger # # #



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