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Live-Review: RAMMSTEIN (22.05.2010, Wuhlheide, Berlin)

RAMMSTEIN (c) Paul Brown
Da werden Korsetts gesprengt. In Sachen Live-Show. Mit Explosionen und Feuer, da kennen sich Rammstein aus. Groß und größer. Laut und lauter. Das sind die Maßstäbe. So steht auch vor dem Fall des Vorhangs ein Riesenknall. Doch der gefallene Vorhang entblößt nur eine überdimensionale Deutschlandfahne.



rammstein_01 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSchließlich fällt auch diese unter ohrenbetäubendem Lärm und gibt den Blick auf die mehretagige Bühne frei. In deren Mitte steht der muskelbepackte Sänger und Zeremonienmeister Till Lindemann. Er hat offenbar eine Taschenlampe verschluckt. Hell und gleißend springt das Licht aus seinem Rachen. Gemeinhin tragen alle Musiker dunkle Klamotten und stehen fast geschlossen hinter ihrem Sänger. Herr Lindemann hat allerdings das Outfit blutrot aufgepeppt. Metzgerschürze und eine schrille Federboa zieren seinen Körper. Um auch musikalisch klarzumachen, wer da auf der Bühne steht, wird gleich zu Beginn das „Rammlied“ zu Gehör gebracht. Zehntausendstimmig wird „RRRAMMMMSTEINNN“ in die aufkommende Nacht gebrüllt. Der gemischte Chor ist deutlich männerlastig. Die meisten mitgekommenen Frauen sind Anhängsel, die ihren Begleiter durch ihr T-Shirt signalisieren: „Spiel mit mir!“ Der wiederum antwortet ebenfalls durch sein Shirt: „Bück dich!“

Das Flake-Opfer
Rammstein-Konzerte sind immer großes Theater, das jedes andere weit Rockkonzert in den Schatten stellt. Vieles mag sich von Platte zu Platte showtechnisch verändern. Eins ist immer gleich. Der Keyboarder, das schmale Handtuch Christian „Flake“ Lorenz ist das Opfer. Eine Art Badewanne wird zeitweise sein Zuhause. Doch zum Wohlfühlen hat Meister Lindemann ihn nicht dorthin verbannt. rammstein_05 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenBei "Ich tu dir weh" fährt Till Lindemann gen Himmel, aber nur, um Christian „Flake“ Lorenz in einem Funkenregen zu ertränken. Doch er entkommt und feiert als Glitzerglimmermann seine Wiederauferstehung. Zur Strafe wird vor seiner Keyboardburg ein Laufband installiert und er läuft und läuft und läuft, ... Ein großer Effekt jagt den nächsten. Beim Song "Benzin" hat sich Till einer alten Zapfsäule bedient, um einen Mann in Flammen zu setzen, der brennend wie wild über die Bühne fegt. Bei „Pussy“ nimmt Till Lindeman das Publikum ins Visier. Auf einer Schaumkanone in Form eines Penis reitend, wird das Publikum ordentlich eingeseift. Schön klebrig und nass wird das Publikum gleich danach mit Konfettikanonen beschossen. Danach sieht das Publikum wie eine Vollversammlung von Lappenclowns aus. Als der Frontmann mit riesigen weißen Flügeln auf die Bühne zurückkehrt, ist klar, dass nun „Engel“ intoniert wird. Etwa nach der Hälfte des Liedes zeigte er den Zuschauern das er doch kein Engel sein will. Setzt seine Flügel in Brand und mutiert zum Feuerengel, der dann verglüht. Doch um Till Lindemann muss sich keiner Sorgen machen. Ist es damals doch in alten schon Phönix gelungen, aus der Asche zu steigen.
rammstein_10 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken
Kampf dem Sylvesterfeuerwerk
Als sich das Konzert unter nach wie vor großem Gejohle dem Ende neigt, beschließen Rammstein dem kolossalen Sylvesterfeuerwerk einer Großstadt, wie Berlin den Kampf anzusagen. Ihre Pyrotechniker geben alles. Selbst alt gedienten Keine-Miene-Verzieher können die Feuerwerker das ein oder andere „aaah“ und „oooh“ entlocken. Cool bleiben fällt halt schwer bei einem Konzert von Rammstein. Die Einen staunen, wie die kleinen Kinder unterm Christbaum beim Geschenke auspacken, weil’s lodert und knallt und einem dabei noch die Ohren weggeblasen werden. Die Anderen geben die überaus Coolrammstein_11 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenen, die nichts aber rein gar nichts erschüttern kann und kriegen dann gar nicht mehr mit, dass auch ihnen die Gesichtszüge regelmäßig entgleiten. Die Letzten sind so breit, dass sie keine Chance mehr haben, sich zwischen Staunen und Coolness zu entscheiden. Leider wird bei Rammstein-Konzerten die zuletzt genannte Gruppe von Besuchern größer und größer. So haben Rammstein beschlossen, auch noch das Trinken zu vermarkten. Das gesamte zum Verkauf stehende Nass wird ausschließlich in Rammstein-Bechern serviert und mit zwei Euro Pfand belegt. Kaum einer gibt den Becher zurück. Rammstein verstehen nicht nur etwas von Bühnenunterhaltung, auch der Begriff Wertschöpfungskette ist ihnen absolut vertraut.

Text und Fotos: Franz X.A. Zipperer

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