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Interview: ROB ZOMBIE

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Der Herr der Untoten gab uns eine Audienz um mit ihm über seinen neuen Film "The Lords Of Salem" zu plaudern. Was die Idee dahinter ist und warum Meg Foster auch den gesamten Film über nackt herum gelaufen wäre, erklärt er uns selbst.

Schon 2003 (c) Universal Pictures Home Entertainment / lords_of_salem_1 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenhat der Ausnahmemusiker mit "Das Haus Der 1000 Leichen" angefangen, das Mikrofon gegen den Regiestuhl einzutauschen. Danach durfte er mit "The Devils Rejects" und den beiden "Halloween" - Neuverfilmungen weitere Erfahrungen sammeln, von denen "Lords Of Salem" nun profitieren kann. Aus diesem Anlass gab sich der Freund des Horror-Genres einen Ruck und gewährte uns ein Gespräch über seinen neuesten Streich.




Hi Rob, lass uns doch gleich mit der Story hinter deinem neuen Film "The Lords Of Salem" anfangen. Was hat dich dazu angeregt, einen Film zu machen, der von den Hexenprozessen und den Geschichten um das historische Salem in Massachusetts inspiriert war?

(c) Universal Pictures Home Entertainment / lords_of_salem_2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEhrlich gesagt war das alles ein reiner Zufall! Ich lebe ja in Massachusetts, beziehungsweise bin ich nicht weit von dort aufgewachsen, wo damals die Hexenprozesse stattgefunden haben. Also war ich schon immer mit der Thematik vertraut. Eines Tages, etwa vor sieben Jahren, habe ich ein Buch über diese Prozesse gekauft und meine Erinnerungen daran etwas aufgefrischt. Dabei dachte ich mir "Wow, das wäre ein echt gutes Thema für einen Film!" Ich wusste zwar, dass es schon zahlreiche Filme darüber gab, aber diese waren mehr an den Fakten orientiert. Ich wollte die historischen Ereignisse lediglich als Anfang einer Idee verwenden und dann damit herumspielen. So hat das eigentlich angefangen.


War die Idee, der Musik einen so hohen Stellenwert in deiner Geschichte zuzuschreiben, auch von Anfang an da?

Mhh, da bin ich mir gar nicht mehr so sicher, wie das angefangen hat. Ich glaube aber, es war(c) Universal Pictures Home Entertainment / lords-of-salem_4 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken deswegen, weil ich zur damaligen Zeit gerade etwas über die Prozesse gegen JUDAS PRIEST gelesen habe. Die wurden ja beschuldigt, in ihrer Musik geheime Botschaften versteckt zu haben und dadurch Leute zum Suizid angestiftet zu haben. Das wirkte auf mich wie eine Hexenjagd der modernen Zeit. Menschen haben gesagt: "JUDAS PRIEST machen Musik, von welcher diese Kinder besessen werden." Ich meine, das ist doch einfach nur lächerlich! Deshalb habe ich diese beiden Ereignisse lose zusammengefügt und so hat alles seinen Lauf genommen.


In "Lords Of Salem" verwendest du des öfteren sehr klassische Schockmomente, die man aus den Horrorfilmen der 1970er Jahre kennt. Etwa aus John Carpenters "Halloween", wobei du ja auch bei dessen Neuverfilmung und deren Fortsetzungen 2007 und 2009 Regie geführt hast. Erkennt man da eine gewisse Ehrerbietung an die amerikanischen Horrorfilme aus den 1970ern?

(c) Universal Pictures Home Entertainment / lords_of_salem_3 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAn diese Filme habe ich gar nicht gedacht, als ich "Lords Of Salem" gedreht habe. Filme, die ich dabei im Kopf hatte, stammten zwar auch aus den 70ern, aber es ging mehr in die Richtung von Dario Argentos "Suspiria", Ken Russels "The Devils" und Jodorowskys "The Holy Mountain". Das war gewissermaßen der Vibe, den ich dabei gesucht habe.


Mit Meg Foster hast du ja eine Größe der Schauspielkunst engagiert. Sie spielt die Rolle der Oberhexe Margret Morgan und befindet sich mit der Darstellung der Schurkin völlig in ihrem Element. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und wie ließ es sich mit ihr arbeiten?

Mit Meg zu arbeiten war einfach großartig! Ich weiß nicht mehr, wann ich daran gedacht (c) Universal Pictures Home Entertainment / the-lords-of-salem_5 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenhabe, sie zu casten, aber wahrscheinlich habe ich gerade einen Film mit ihr gesehen. Ich glaube mich sogar daran zu erinnern, dass es "The Osterman Weekend" war. Da wurde mir wieder bewusst, was für ein außergewöhnliches Gesicht sie hat, ganz speziell ihre Augen natürlich, und ich dachte: "Sie würde eine wunderbare Oberhexe abgeben!" Ich habe sie zuvor noch in keiner solchen Rolle gesehen, also haben wir einfach mal am Telefon miteinander gesprochen. Je mehr ich sie bei diesem Gespräch kennenlernen durfte, desto mehr wurde mir klar, dass sie für die Rolle perfekt ist! Und ich hatte recht. Sieh dir ihre Rolle im Film an, sie ist wunderbar und sie war wirklich zu allem bereit, was ich von ihr verlangt habe.


Aber du hast ja bei "Lords Of Salem" nicht nur mit Meg Foster gearbeitet, sondern es gab auch viele Cameo-Auftritte von Größen wie Michael Berryman, Udo Kier und Camille Keaton! Wie bekommst du diese Kultschauspieler dazu, solch kleine Rollen zu übernehmen?

Das ist sehr (c) Universal Pictures Home Entertainment / lords-of-salem_9 / Zum Vergrößern auf das Bild klickeneinfach. Mit vielen von ihnen bin ich schon länger befreundet. Mit Michael Berryman etwa habe ich schon zuvor bei "The Devils Reject" zusammengearbeitet und diesmal sollte seine Rolle ursprünglich auch größer ausfallen, er hatte aber leider doch zu wenig Zeit. Auch mit Udo Kier habe ich schon vorher Projekte verwirklicht, dieses hier war schon unser drittes Projekt. Ich mag es, mit ihm zu arbeiten, und so habe ich ihn einfach angerufen. Es gibt jedoch generell nur wenige Schauspieler, die ohne Umschweife absagen, das habe ich erst selten erlebt. Der schwierigste Teil daran ist eigentlich, diese Leute zu finden! Oft haben sie längere Zeit in keinem Film mehr mitgespielt, sogar Meg Foster hat vor "The Lords Of Salem" schon lange keine größere Rolle übernommen. Aber immer wieder gibt es auch Schauspieler, die nicht in Horrorfilmen mitwirken wollen. Aber die Leute, mit denen ich arbeite, haben kein Problem damit, für Horrorfilme bekannt zu sein. Dee Wallace zum Beispiel, sie war regelrecht erfreut über ihre Rolle. Normalerweise spielt sie nur die klassische Mom, da war es eine willkommene Abwechslung, einmal die Rolle der Bösen zu übernehmen.


Lass uns mal zur leidigen geschäftlichen Seite des Films kommen. Ein Film muss oder sollte sich zumindest natürlich auch finanziell rentieren, das ist immer eine Gratwanderung zwischen künstlerischer Freiheit und finanziellem Druck. Wie war das bei "The Lords Of Salem"?

Nein, ich hatte dahingehend überhaupt keinen Druck. Das ist ja auch das Tolle an(c) Universal Pictures Home Entertainment / lords_of_salem_7 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken Horrorfilmen, sie können vergleichsweise günstig gedreht werden. Es ist fast unmöglich für solche Art Filme, nicht profitabel zu sein. Natürlich sind einige erfolgreicher als andere, aber "The Lords Of Salem" wurde mit einem relativ kleinen Budget gedreht und ist schon jetzt ein Moneymaker, also ist jeder zufrieden damit.


Darf ich dich fragen, welches Budget du zur Verfügung hattest?

Letztlich waren es etwa... Mhh, lass mich überlegen, da bin ich mir nicht mehr ganz sicher, aber am Ende waren es etwas mehr als zwei Millionen Dollar.


Und nun zur Musik im Film, vor allem das Hauptthema der Lords, das Heidi in der Holzbox zugeschickt bekommt, ist ja eine sehr einfache, jedoch fesselnde Melodie. Kannst du mir vielleicht sagen wie JOHN 5, der ja für den Soundtrack verantwortlich ist, darauf gekommen ist? Ist es ihm einfach so eingefallen oder wurde er von etwas Bestimmtem inspiriert?

Ohhh, die Hauptmelodie,(c) Universal Pictures Home Entertainment / lords_of_salem_8 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken die war tricky! Ich wusste genau, was ich wollte, und im Gegensatz zu der restlichen Musik, bei der ich ihm einfach ein anderes Beispiel vorspielen konnte und er wusste, in welche Richtung ich damit gehen wollte, war es hier schwer, ihm zu vermitteln, was ich genau wollte. Und auch wenn man es jetzt nicht mehr hört, der Ursprung ist ein TOM WAITS Song. Ich sagte: "John, hör dir die ersten beiden Sekunden von dem TOM WAITS Song an." - Das waren nur sehr schräge Geräusche - "Jetzt lass uns diese Idee nehmen und daraus etwas machen." Dann habe ich ihm am Telefon die unterschiedlichen Abfolgen vorgesummt und letztlich sind wir so gemeinsam auf die Hauptmelodie gekommen.


Mit dem Symbol auf Heidis Stirn und auf den Körpern der Hexen gibt es auch eine gewisse Symbolik und man findet im Internet viele verschiedene Erklärungsversuche dafür, woher dieses Zeichen kommt. Hat das Symbol einen realen Ursprung, woher kommt es? Oder war es einfach ein Zeichen, das für dich das Thema des Films am besten repräsentiert hat?

Das Symbol ist einfach etwas, das mir eingefallen ist, es ist nicht auf einem realen Symbol begründet. Ich wollte ein treffendes Symbol für das Kind des Teufels haben und habe unterschiedliche dafür gemalt. Das im Film verwendete war letztlich das, welches mir am besten gefallen hat. So einfach war das.


Du hast ja auch ein Buch zum Film geschrieben, das auf dem ursprünglichen Skript basiert? Wie kam es dazu? Hast du das von Beginn an vorgehabt?

Das war nichts, was ich geplant habe. Doch während des Drehs wurde(c) Universal Pictures Home Entertainment / lords_of_salem_11 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken das Budget eben eher knapp, auch wenn zwei Millionen Dollar sich nach viel anhören, für einen Film ist das wirklich nicht viel Kohle. Denk an Special Effects und den ganzen Kram... Wir bekamen dann ein Angebot für das Buch zum Film und eigentlich machte ich mir gar keine Gedanken darüber, sondern dachte mir einfach: "Oh Mann, der Film könnte dieses Extrageld wirklich gut verkraften!" Also hab ich es gemacht und das gesamte Geld daraus gleich wieder in den Film gesteckt.


Nun hast du ja bei einem Film und bei einem Buch völlig andere Ausdrucksmöglichkeiten und Formen der Darstellung. Gibt es gröbere Unterschiede zwischen dem Buch und dem Film und wenn ja, welche sind das?

Ja natürlich, es gibt sehr viele Unterschiede! Ich beginne aber schon langsam sie zu vergessen... (lacht) Der größte Unterschied ist jedoch, dass das Buch einfach viel mehr Background erklärt. Die Charaktere sind mehr ausgeformt und jeder, der im Jahre 1692 bei den Hexenprozessen getötet wird, hat eine Entsprechung im Salem des Films, darauf wird genauer eingegangen, mehr erklärt und kompliziertere Strukturen werden ausgeformt. Das wollte ich im Film auch versuchen, aber es funktioniert nur im Buch, weil das für den Film einfach zu kompliziert war. Unglücklicherweise hast du im Film weniger Zeit, nicht einmal zwei Stunden ist nicht lange, also musste ich das stark vereinfachen. Im Buch ist das alles noch enthalten.


Also ist es definitv ratsam, das Buch zu lesen, auch wenn man den Film schon gesehen hat...

Ja, natürlich! (lacht)


Nun wird die Hauptrolle von deiner Frau Cheri Moon gespielt, mit der du ja eigentlich immer zusammenarbeitest. Arbeitest du so gerne mit ihr, weil sie einfach deine Frau ist und du deshalb genau weißt, was du von ihr verlangen kannst und was du zu erwarten hast?

Der(c) Universal Pictures Home Entertainment / lords_of_salem_6 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken Grund dafür ist der, dass ich immer so arbeite. Das kommt von meinem Ursprung in der Band, wo ich sehr oft mit den selben Musikern zusammenarbeite, Platten aufnehme und auf Tour gehe, da entstand diese Mentalität, die ich auch bei meinen Filmen übernommen habe. Wenn ich ein neues Filmprojekt angehe, dann denke ich darüber nach, wer welche Rolle am besten übernehmen könnte und in Gedanken schweben mir da immer Leute vor, die ich schon kenne. Deshalb mache ich das dann auch so, das ist bei vielen Regisseuren Usus. Wenn du dir große Filmemacher ansiehst, dann haben die oft für lange Zeit mit denselben Schauspielern gearbeitet. Ich habe nicht wirklich viel darüber nachgedacht, aber ich mag es einfach, meine stabile Gruppe an Menschen zu haben, mit der ich arbeiten kann. Wenn du deine Schauspieler kennst, weißt du, wozu sie fähig sind und beginnst, das Projekt um sie herum auszuformen. Denn die schlimmste Erfahrung für einen Regisseur ist – und das ist mir auch schon passiert – wenn du einen Schauspieler engagierst, ihn nicht wirklich kennst, keine Zeit hast, ihn kennen zu lernen, er erscheint am Set und du hast absolut keinen Draht zu ihm. Das ist furchtbar! Manchmal funktioniert es einfach nicht, man versteht sich nicht. Mir ist das bei "Halloween" mit Brad Dourif passiert. Bei dem ersten "Halloween"-Teil haben wir es nie geschafft, eine Verbindung aufzubauen. Es hat einfach nicht geklappt. Warum auch immer. Darum denke ich auch, dass seine Leistung in diesem Film nicht so gut funktioniert. Egal ob das jetzt seine oder meine Schuld ist. Als wir dann "Halloween II" gedreht haben, hatten wir Zeit uns kennenzulernen, ich wusste wie er arbeitet und umgekehrt. Seine Leistung in "Halloween II"  ist um ein Vielfaches besser! Da geht es viel darum, das man sich wohlfühlen muss, denke ich.


Ja, wenn man sich einfach ein wenig kennt, ist es sicherlich einfacher gemeinsam zu arbeiten...

Genau das ist es, so wie bei Meg Foster etwa, als ich sie dann schließlich (c) Universal Pictures Home Entertainment / lords-of-salem_10 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenkennengelernt habe, gab es nichts, was sie nicht gemacht hätte! Sie wäre den ganzen Film lang nackt herumgelaufen, sie hätte das einfach nicht gekümmert. Sie ist diese wundervolle Sorte von Person und Schauspieler. Mach das jedoch mit einem anderen Schauspieler und du kannst mit denen den ganzen Tag darüber sprechen, alles ist in Ordnung und wenn es dann ans Drehen geht, möchten sie es plötzlich doch nicht tun... Je besser du deine Schauspieler kennst, desto besser kannst du auch mit ihnen zusammenarbeiten. Natürlich ist jeder unterschiedlich, aber für mich funktioniert es so am besten.


Je besser du sie also kennst, desto besser das fertige Resultat?

Ja, du weißt einfach, wozu sie fähig sind.


www.lordsofsalem.com



###Christoph Höhl###

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