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Comic-Review: Ich bin Legion (Cross Cult Verlag)

Ich bin Legion (c) Cross Cult Verlag
Eine transatlantische Kollaboration: Der französische Texter Fabien Nury und der US-amerikanische Zeichner John Cassaday arbeiteten zusammen an „Ich bin Legion“. Das Ergebnis ist eine rasant erzählte, verschachtelt konstruierte und actionreiche Graphic Novel.
Ich bin Legion (c) Cross Cult Verlag / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Geschichte spielt 1942 im vom Zweiten Weltkrieg beherrschten Europa, der Ingredienzien sind gar viele: Der englische Nachrichtendienst, ein Geheimprojekt der SS, rumänische Partisanen, der deutsche Widerstand und die Operation Walküre, osteuropäische Volksmythen vom Strigoi und von Vlad, dem Pfähler (der, wie allseits bekannt, die Vorlage für Graf Dracula lieferte), ein rätselhafter Mord in London, historische Persönlichkeiten wie Canaris oder Churchill, und, um mit letzterem zu sprechen: Blut, Schweiß und Tränen. Vor allem Blut, denn der „besondre Saft“ spielt die eigentliche Hauptrolle in diesem historischen Mystery-Thriller.

Mehrere Handlungsfäden laufen zunächst parallel nebeneinander her, verweben sich mit Fortgang der Geschichte immer mehr miteinander, um zum Schluss zu einem Ganzen zu werden: SS-Offizier Heyzig arbeitet in Rumänien am Projekt „Legion“. Mithilfe eines kleinen Mädchens, dass Menschen, sobald sie mit dessen Blut infiziert sind, zu steuern vermag, will er eine unaufhaltbare Super-Armee schaffen. Eine rumänische Widerstandsgruppe, aber auch der deutsche Widerstand unter Wilhelm Canaris trachten danach, das Projekt zum Scheitern zu bringen. Auch der britische Geheimdienst mischt mit und schickt schließlich ein Killerkommando los, das Heyzig töten soll. Gleichzeitig muss Ermittler Stanley Pilgrim einen höchst mysteriösen Mord in London aufklären, und bald wird klar, dass dieser Fall bis in höchste Geheimdienst- und Diplomatenkreise reicht.

Die Story nimmt gleich zu Beginn ordentlich Fahrt auf, und hält dieses Tempo dann konsequent bis zum blutigen Showdown durch. Die Rasanz der Handlung und der schnelle Wechsel zwischen den Strängen der Erzählung, die erst nach und nach den Zusammenhang des Geschehens offenbaren, erfordern vom Leser hohe Aufmerksamkeit. Zum beiläufigen Schmökern ist "Ich bin Legion" nicht geeignet, Freunde von komplex strukturierten Graphic Novels kommen aber voll auf ihre Kosten. Trotz des hohen Tempos bleibt die Charakterzeichnung nicht auf der Strecke. Die handelnden Personen werden plastisch und tiefgründig geschildert, ihre Motivationen bleiben vor dem Hintergrund ihrer elaborierten Persönlichkeiten transparent.
Passend dazu die Zeichnungen von Cassaday: Realistisch und detailreich setzen sie die Geschichte auf der Ebene der Illustrationen adäquat um.

Wie immer ein Problem von erdachten Geschichten, die die Zeit des Nationalsozialismus zum Hintergrund haben: Wie verarbeitet man die historische Realität des Holocausts angemessen in einer Fiktion?
Auf der Bildebene geht Cassaday hier einen interessanten Weg: Während die fiktive Geschichte von „Ich bin Legion“ nur so von - explizit dargestellter - Gewalt strotzt (empfohlenes Lesealter: 16+), tappt er nicht in die Falle, die historischen Grausamkeiten in gleicher Weise darzustellen, somit Fiktion und Historie gleichzusetzen und damit reales Leiden abzuwerten. Die zwei Panels, die das Thema Holocaust berühren, sind in ihrer stillen Zurückgenommenheit ganz klar abgegrenzt von der oft drastischen Bildsprache der fiktionalen Geschichte: Einmal zeigt er Hände, die sich an die Gitterstäbe eines Eisenbahnwaggons krallen, das andere Mal liest man nur Opferzahlen auf einer Akte des britischen Geheimdienstes.

Der rhythmisch geschickt montierte Aufbau der Handlung und die realistischen, actionreichen Zeichnungen wirken alles in allem sehr filmisch, man möchte meinen, dass es sich bei „Ich bin Legion“ um den Comic zum Film handelt. Wie so oft ist es aber genau umgekehrt: Der Film zum Comic ist bereits angedacht.
Abgerundet wird der hochwertige Band von dem kurzen Essay „Transatlantische Allianzen“ von Stefan Pannor. Er geht darin den vielfältigen wechselseitigen Beeinflussungen zwischen europäischer und US-amerikanischer Comickultur im Laufe der Geschichte nach. Ein guter Einstieg in dieses Thema, wirklich erschöpfend lässt es sich aber natürlich auf vier Seiten nicht abhandeln.


# # # Manuel G. Mattweber # # #

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