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Book-Review: Unzucht (Ventil)

unzucht_cover (c) Ventil
Der letzte Pogo in Berlin oder: Ein hochmoralischer Porno.

unzucht_cover (c) Ventil / Zum Vergrößern auf das Bild klickenOh Mann, da hat Jan Off ("Vorkriegsjugend") aber wieder einen ganz schön harten Brocken abgeliefert. Nichts für Zartbesaitete oder Prüde, sein Roman "Unzucht" hält, was der Titel verspricht: Es geht um Sex, Sex, Sex. Eine explizite Schilderung folgt der nächsten, nicht zu knapp fließen hier alle möglichen Körperflüssigkeiten.


Die Geschichte beginnt eigentlich ganz harmlos (sieht man einmal vom Prolog ab, der das Kommende schon anklingen lässt), mit einer Verwechslung. Der Protagonist, ein Möchtegern-Schriftsteller, der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und gerne mal Alkohol und anderen Drogen zuspricht, findet nach einer durchzechten Nacht zwei Bierfilze mit Telefonnummern von Frauen, die er am Vorabend angesprochen hat.


Er kann die Bierfilze aber nicht mehr hundertprozentig zuordnen, schließlich wählt er eine der beiden Nummern, und zieht den Schwarzen Peter: Am anderen Ende der Leitung erwischt er zu seinem Leidwesen die seiner Einschätzung nach unattraktivere, biedere der beiden Frauen, Tanja.


Trotzdem trifft er sich mit ihr. Und beginnt – aus Langeweile – ein Experiment. Gleich nach dem ersten Sex mit ihr stellt er klar: "Ich werde mich nicht in dich verlieben…aber wir werden uns wiedersehen und ich werde dich wieder ficken…wir werden uns niemals gemeinsam in der Öffentlichkeit zeigen."


Er probiert aus, wie weit er es mit Tanja treiben kann. Und zwar in allen Bedeutungen des Wortes "treiben". Und so werden sexuelle Phantasien enthemmt ausgelebt, eine Sex-Szene folgt der nächsten, beständig steigert der Protagonist den Grad der Obsessivität und Hemmungslosigkeit: Sex in der Öffentlichkeit, Sex im Porno-Shop, Urinspiele, SM-Sex, Sex zu dritt…


Aber dann passiert es: Der Ich-Erzähler verliert langsam aber stetig die Kontrolle über sein Experiment, ihm wird das Heft aus der Hand genommen, Tanja wird immer mehr das aktive Element in der auf reine Körperlichkeit reduzierten Beziehung.


Der Protagonist beendet schließlich diese l’amour fou "weil es krank wurde. Weil es gefährlich ist, sämtliche Phantasien auszuleben. Und…weil wir uns nicht geliebt haben." Aber da ist es schon zu spät: The hunter gets captured by the game.


Jan Off schildert schonungslos, offen, ohne Rücksicht auf Verluste oder das Zartgefühl der LeserInnen. Nichtsdestotrotz hat man aber nie das Gefühl dass es ihm um den reinen Schockeffekt geht. Bei Jan Off ist Provokation nicht l’art pour l’art, die unverblümte Handlung und die direkte, obszöne Sprache stehen ganz im Dienste der Handlung. Und im Dienste der Moral, die der unmoralisch anmutende Roman für die Leser bereithält: "Das hemmungslose Ausleben sexueller Phantasien sollte Glücks- und Hochgefühle nach sich ziehen, muss es aber nicht", um den Klappentext zu zitieren.


Die Grundidee der Handlung nimmt deutlich Anleihen bei Filmen wie "9 1/2 Wochen" oder "Der letzte Tango in Paris". Aber Vorsicht: Im Vergleich zu "Unzucht" ist der letzte Tango in Paris nur ein ganz langsamer Walzer.

# # # Gustav Ganz # # #



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